logo businessfrau2

Frauen in Verwaltungsräten

Frauen Verwaltungsrat

Am 14. November 2012 hat die EU-Kommission einen Vorschlag für eine gesetzlich verankerte Frauenquote von 40% in Aufsichtsgremien börsenkotierter Unternehmen verabschiedet. Dieser schreibt den rund 5000 börsenkotierten Firmen in der EU vor, bis 2020 Aufsichtsratsposten zu 40% mit Frauen zu besetzen. Damit ist die Diskussion auf gesamteuropäischer Ebene auf der politischen Agenda. Einige Mitgliedstaaten haben bereits Frauenquoten eingeführt. Das von der Kommission postulierte Ziel ist mit Ausnahme von Norwegen noch in keinem Land erreicht.

In der Schweiz ist das Thema auch auf dem Radar der Politik. Um sich ein genaueres Bild der Regelungen in Europa zu verschaffen, hat das Seco die vorliegende Studie in Auftrag gegeben.

Die Studie ist in zwei Teile gegliedert. In einem ersten Teil wird kurz die Situation in der Schweiz dargestellt. Besonders interessierte die Situation bei den Unternehmen mit Beteiligung der öffentlichen Hand. Dies vor dem Hintergrund, dass für den Bund als Eigentümer bei diesen Unternehmen direkte Einflussnahme möglich ist. Für die Analyse wurden die Geschäftsberichte der Unternehmen bezüglich Aussagen zu Frauen in Führungspositionen analysiert. Ergänzend wurden strukturierte Interviews mit fünf VerwaltungsratspräsidentInnen von Unternehmen im Einflussbereich des Bundes geführt.

Sie zeigen, dass Diversität in allen Unternehmen aktuell ein Thema ist, jedoch die meisten Unternehmen keine konkreten Zielsetzungen formulieren. Als Schwierigkeit bei der Rekrutierung von Frauen wird der Kriterienraster für die Kandidaturen genannt Branchenkenntnisse, Unabhängigkeit). Nur ein Unternehmen setzt bei der Rekrutierung auf externe Unterstützung. Die anderen Unternehmen verlassen sich auf ihre Beziehungsnetze. Die Ergebnisse dieser Interviews zeigen, dass für die Erhöhung des Frauenanteils die Art und Weise, wie Kandidaturen generiert werden, mitentscheidend ist.

Der zweite Teil der Studie gibt einen systematischen Überblick über die Lösungsansätze, die in Europa eingeführt worden sind. Von den 28 untersuchten Ländern (EU-Länder, inkl. Norwegen), haben 12 Länder eine gesetzliche Regelung bezüglich der Vertretung von Frauen in Entscheidungsgremien eingeführt. In 5 Ländern betreffen die gesetzlichen Regelungen den öffentlichen Sektor (Finnland, Griechenland, Österreich, Portugal, Solwenien). Ebenfalls in 5 Ländern gelten die Regelungen für beide Sektoren (Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Norwegen). In 2 Ländern ist nur der private Sektor von der Regelung betroffen (Niederlande, Spanien).

Die Regelungen zum privaten Sektor beziehen sich in allen 7 Ländern nur auf grosse Unternehmen (keine KMUs). In ca. der Hälfte dieser Länder sind die Regelungen "streng" (mit Sanktionen) betreffen aber nur eine kleinere Gruppe (nur börsennotierte Unternehmen). In der anderen Ländern sind die Regelungen "weich" (ohne Sanktionen) dafür auf eine grössere Gruppe (börsen- und nicht börsennotierte Unternehmen) ausgerichtet. Von den 7 Ländern, die eine gesetzliche Regelung für den privaten Sektor eingeführt haben, ist Frankreich das einzige Länd, in denen die Regelung nur für den Verwaltungsrat/Aufsichtsrat gilt. 5 Länder schliessen beide Stufen ein (Verwaltungsrat und Geschäftsleitung), wobei 4 Länder ein monistisches Leitungssystem haben, d.h. es gibt nicht dieselbe Unterscheidung wie in der Schweiz zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung (Niederlande -Belgien, Griechenland, Norwegen, Spanien). Ein Land schliesst nur die Geschäftsleitung ein (Dänemark).

Zum zeitlichen Horizont lassen sich folgende Variante gegenüber einer direkten und unbefristeten Einführung finden: Belgien, Frankreich und Österreich sehen eine stufenweise Umsetzung der Regelung vor. Niederlande hat eine befristete Regelung. 16 Länder haben keine gesetzliche Regelung. Viele Länder setzen auf freiwillige Massnahmen, wobei eine häufige Massnahme die Thematisierung von Gender Diversity im Corporate Governance Code ist.

Ergebnisse aus einer Literaturrecherche und aus Interviews mit Vertretern verschiedener europäischer Länder zeigen anschliessend die Wirkungen und Erfahrungen mit Quotenregelungen auf. Da die meisten Quoten erst kürzlich eingeführt wurden und viele Länder noch in der Übergangsfrist sind, sind nur wenige Evaluationen verfügbar. Das Beispiel Norwegen zeigt, dass die Frauenquote erreicht wurde. Allerdings haben die ebenfalls beabsichtigten induzierten Veränderungen bis jetzt nicht stattgefunden. Heute sind ntscheidungsträger noch immer hauptsächlich Männer, und im Wirtschaftsbereich, welcher von der Quote nicht betroffen ist, hat sich bezüglich Geschlechtergleichstellung soweit nicht viel geändert. Die Ergebnisse zu den ökonomischen Wirkungen sind sehr vielfältig und unterschiedlich. Innerhalb des Unternehmens sind Veränderungen feststellbar: Das Mitwirken von Frauen hat die „Governance“ sowie die Präsenz der Ratsmitglieder verbessert.

Die Frauen, welche in die Verwaltungsräte gewählt wurden, sind tendenziell jünger, haben weniger Führungserfahrung sind aber besser ausgebildet als ihre männlichen Kollegen. In Schweden hat sich gezeigt, dass bereits die Drohung einer Quote die Vertretung von Frauen in den Verwaltungsräten erhöhen kann. Die Gespräche mit den Ländervertretern belegen die z.T. sehr unterschiedlichen Haltungen der Regierung und der Wirtschaft gegenüber einer Frauenquote. Vor allem der Gleichstellungsgedanke und die Nutzung des Potenzials von Frauen werden von den Gesprächspartnern als Argumente für eine Quote gesehen. Dem Gegenüber stehen die unternehmerische Freiheit und das „ownership right“, die gegen eine Quote sprechen.

Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft SECO PDF

Bildquelle: geralt / pixabay.com

Submit to DeliciousSubmit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to StumbleuponSubmit to TechnoratiSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

white

white